rassisierung der sexualität


Sexualität als solche gibt es nicht. Es finden sich vielfältige Sexualitäts- und Begehrensformen, die von Machtdifferenzen durchzogen sind, unter Machtbedingungen entstehen und Machtunterschiede konstruieren. Inwiefern trägt Sexualität dazu bei, rassistische Hierarchien zu bestärken? Inwiefern spielt Rassismus eine Rolle bezüglich der Frage, welche sexuellen Existenzweisen soziale Anerkennung genießen oder dieser entbehren? Welche weiteren Prozesse sozialer Differenzkonstruktion verschalten sich mit rassisierter Sexualität oder sexualisierten Rassismen zu einem komplexen Geflecht?

Die Interdependenz oder Intersektionalität sozialer Ungleichheitsverhältnisse und Diskriminierungen im Hinblick auf Sexualität durchzuspielen, heißt zum Beispiel wahrzunehmen, dass sowohl Hypersexualisierung als auch Desexualisierung dazu beitragen können, dass ein Körper abgewertet, der Subjektstatus verweigert oder die gar die Zugehörigkeit zum Menschlichen bestritten wird. Rassistische Hierarchien werden unterstützt oder durchkreuzt von Klassendifferenzen oder Körper- und Befähigungsnormen, die sich Bildern von Sexualität bedienen: Stereotype des Verwerflichen oder des moralisch Hochwertigen, Exotisierungen und Erotisierungen, Pornographie-Vorwürfe oder Zuschreibungen des Animalischen.

Welche Widerstands- und Handlungsweisen, welche queeren kulturellen und/oder queer of color Politiken arbeiten gegen Rassisierungen der Sexualität oder sexualisierten Rassismus im Zusammenspiel mit Heteronormativität, Körpernormativität, rigider Zweigeschlechtlichkeit oder kapitalistischer Ökonomie?

BISHERIGE VERANSTALTUNGEN

Sexual Politics, Torture, and Secular Time

Judith Butler
18. Mai 2007, Universität Hamburg

Der Vortrag der US-amerikanischen Philosophin und Gender/Queer Theoretikerin Judith Butler (UC Berkeley) eröffnet einen brisanten Zusammenhang, nämlich die Verschränkung von Sexualpolitiken und Migrationspolitiken bzw. von heterosexueller Normativität, antimuslimischem Rassismus, globaler Sicherheitspolitik.

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rassisierte intimität ver_lernen

Workshop und Lesungen
é Rosi ich bin im Park, Berlin, 6. Juni 2015

Wenn wir von rassisierter Intimität sprechen, meinen wir auch Freundschaften sowie politische Kontexte, die von Nähe geprägt sind. Wir halten es für politisch interessant, uns mit solcher Intimität zu befassen; ebenso wie mit Versprechen, Wünschen, Befürchtungen und Ängsten, die mit den Verschränkungen von Rassisierung und Erotisierung einhergehen. Wie fließen Gewaltgeschichten sowie koloniale, rassistische und antisemitische, hetero- und körpernormative, homo- und transphobe Erbschaften in unser Wahrnehmen und Denken ein? Kurze Texte von Audre Lorde inspirieren die Diskussion.

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Neokoloniale Verhältnisse herausfordern
Queere und diasporische Formen des Ver_lernens

Workshop-Reihe
an diversen Orten in Berlin

Das Erbe kolonialer Macht und Herrschaft prägt heutige Gesellschaft. Es findet durchaus auch Wege in aktivistische, freundschaftliche und intime Beziehungen der queer-feministischen Bewegungen. In Workshops und mittels künstlerisch-kultureller Praxen wollen wir versuchen, unsere – je unterschiedliche – Einbindung in neokoloniale Muster zu verstehen und Formen rassisierter Intimität zu ver_lernen. Der Begriff des Ver_lernens verweist auf Gayatri Spivaks Ausdruck, „to unlearn our privileges“; wobei wir von einer komplexen Vielfalt der Privilegien und Diskriminierungen ausgehen.

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Die politische Ästhetik des Drag

Shaka Mc Glotten
Vortrag 15. Oktober 2014, ICI Berlin
desire’s multiplicity and serendipity 1

Der Anthropologe Shaka McGlotten erkundet in seinen ethnografischen Studien die subversiven Politiken des Drag und fragt nach dem Widerstandsbegehren in verschiedenen subkulturellen Kontexten.

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Race and Queer Theory in the Age of Obama

Cathy Cohen
The Subtle Racializations of Sexuality 6
Vortrag 12. Juni 2012, 19.30, ICI-Berlin

Wandlungen in unserem Verständnis vom rassisierten Staat, wie z. B. in den USA in der Ära der Präsidentschaft Obamas, inspirieren sowohl Queer Theory als auch queere Politiken. Wie werde in den Arbeiten von Schwarzen Queertheoretiker*innen als Akademiker*innen und Aktivist*innen Politiken der Intimität reimaginiert? Wie wird race (in)direkt in Debatten über den Status des queeren Subjekts und dessen politischer Reichweite entwickelt?

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Rethinking Ethical Feminism and Sexual Politics through uBuntu

Drucilla Cornell
The Subtle Racializations of Sexuality 5
Vortrag 15. Mai 2012, 19.30, ICI-Berlin

Transnationaler Feminismus – sowohl die ethische Idee als auch der tatsächliche Kampf, um politische Bündnisse zu bilden – entsteht aus den schwierigsten und brenzligsten Streitpunkten darüber, was es heißt, tiefgreifende eurozentrische Machtasymmetrien in Frage zu stellen. Bündnisse – besonders, wenn sie sexuelle Politiken einbeziehen – fordern uns dazu auf, einige unserer meistgeschätzten feministischen Ideen – wie Freiheit und Gleichheit – zu überarbeiten, ohne diese Ideale aufzugeben. Um dies zu tun, untersucht Cornell die Potenziale von uBuntu, einer nicht-westlicher (südafrikanischen) Ethik.

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Encountering Sexual Aliens:
State Sovereignty and the Heteronormative Mechanism
at Work on the Margins of Taiwan

Antonia Chao
The Subtle Racializations of Sexuality 4
Vortrag, 24. April 2012, ICI Berlin

Der Vortrag basiert auf einer ethnografischen Forschung, die in den drei Kreuzungsplätzen der Staatsgrenzen von Taiwan durchgeführt wurde, und beleuchtet die Intersektionen zwischen Grenzkontrolle, Staatssouveränität, nationaler Zugehörigkeit und ‚perversen Sexualitäten‘. Der Fokus liegt auf drei Formen von Subjekten, die als sexuelle Aliens betrachten werden und deren trans-migratorische Akte das Prinzip der biologischen und heterosexuellen Reproduktion übertreten.

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Postracial Europe?
Minority Activism and the Queering of Ethnicity

Fatima El-Tayeb
The Subtle Racializations of Sexuality 3
Vortrag 14. November 2011, 19.30, ICI-Berlin

In ihrem Vortrag spürt El-Tayeb Formen von Rassisierung nach, die in sehr speziellen Konfigurationen von race, Religion, Kolonialismus, Sexualität, Nation und „Europäertum“ verwurzelt sind. Diese Konfiguration situierte rassisierte Gemeinschaften in einen „queeren“ Raum-Zeit-Konstellation, die wiederum als Quelle für translokale Widerstandsstrategien wirkt. Ein Fokus liegt auf dem raum-zeitlichen Queeren von Ethnizität durch eine neoliberale Restrukturierung der Stadt, in der die symbolische Inklusion der weißen LGBT-Gemeinschaft von der Exklusion von PoC und der Löschung von QPoC-Positionalität abhängt.

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On Not Becoming a National Part:
Willfulness as Political Art

Sara Ahmed
The Subtle Racializations of Sexuality 2
Vortrag, 27.11.2011, 19:30, ICI-Berlin

Der Vortrag denkt nationale Staatsbürgerschaft als Technologie des Wissens um. Dabei wird über den Eigenwillen als politische Kunst reflektierte – eine politische Kunst, die im Feld der anhalten Schwierigkeit handelt, sowohl über Rassismus als auch über Queer-of-Color-Aktivismus zu sprechen. Gemäß nationaler Staatsbürgerschaft muss der/die Möchtegern-Staatsbürger*in bereit sein, ihren Willen vom nationalen Willen abhängig zu machen. Der nationale Wille definiert sich hingegen als allgemeiner Wille.

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