Offener Austausch rund um den § 45b PStG

Geschlechtseintrag ‚divers‘ im deutschen Personenstandsrecht

Zeit: Mi 22.04.2020 , 19-21:30,
Ort: c/o Queerformat, Lützowstr. 28, 2. St., 10785 Berlin

Weitere Interessierte sind herzlich willkommen!

Dreimal gab es bereits ein Treffen in kleiner Runde von etwa zehn Personen zur Novellierung des deutschen Personenstandsrechts. Jetzt würden wir den Kreis gerne erweitern, um uns aus möglichst vielen Perspektiven über den Eintrag „divers“ bzw. das Löschen oder Wechseln des Geschlechtseintrags, aber auch grundsätzliche Kritik auszutauschen. Bislang war Thema: Wie schätzen wir die neuen Regelungen ein? Wie wird damit umgangen? Und was wünschen wir uns für die Zukunft? Insbesondere die Frage nach Solidarität mit und zwischen inter*, trans* und nicht-binären Personen war uns wichtig; ebenso die Frage, wie sich die Regelung für Personen ohne deutsche Staatsbürger*innenschaft und solche mit prekärem Aufenthaltsstatus darstellt, ob ein* in gewisser Weise privilegiert sein muss, um das Gesetz überhaupt nutzen zu können. Wie wird in BIPoC und migrantisierten Kontexten dazu diskutiert?

Mit diesen vielfältigen Fragen möchten wir uns gerne an euch wenden und fragen: Was macht ihr in euren Gruppen und Zusammenhängen gerade zu dem Thema? Spielt es überhaupt eine Rolle? Gibt es konkrete Unterstützung bei rechtlichen Hürden oder dem Leben als „d“ oder „x“? Z.B. mit dem fehlenden Offenbarungsverbot, dem Reisepass, bei Adoptionen? Was ist wichtig für kommende Aktivitäten, um verschiedene Bedarfe und Perspektiven von Menschen, die Mehrfachdiskriminierung erleben, sichtbar zu machen, zu benennen und solidarisch zusammen zu arbeiten? Welche Alltagserfahrungen habt Ihr, wenn Ihr das Gesetz genutzt habt, gemacht? Welche Fragen stellen sich Euch? Wer verfolgt Strategien und Aktivitäten, um Einfluss  auf die anstehenden weiteren gesetzlichen Entwicklungen zu nehmen, und möchte hiervon berichten?

In unserem Kontext überlegen wir eine Vorlage für Beschwerde-Emails im Falle binär-geschlechtlicher Formulare oder Adressierungen zu verfassen. Welche Aspekte sollten dort benannt werden? Wie sollte Mehrfachdiskriminierung hierbei berücksichtigt werden? Möglich wäre auch eine Sammlung von Positivbeispielen und Tipps für die IT zu erstellen. Aber vielleicht gibt es dies auch längst. Schreibt uns gerne (mail@queer-institut.de). Oder kommt zum nächsten Treffen.

Es soll ein weiteres Treffen geben, weil das Format des offenen Austausches für alle bislang sehr gut funktioniert hat. Statt einer festen Gruppe mit definierten Ziel, gibt es Raum, um über Erfahrungen zu reflektieren, Fragen zu stellen, aber auch kontrovers zu diskutieren, politische Meinungen zu teilen, zu entwicklen und zu verändern. Einander zuhören hat sich soweit als brauchbarer Ansatz erwiesen, um verschiedenen Perspektiven und Interessen Raum und Anerkennung zu geben. In diesem Sinne möchte wir dieses Mal breiter und öffentlicher einladen. Wir freuen uns, wenn Ihr dieses Einladung über eure Verteiler verbreitet.

P.S. Die Räume von Queerformat – Fachsstelle Queere Bildung sind barrierefrei. Wenn Übersetzungen benötigt werden, müssen wir diese allerdings mit den in der Gruppe vorhandenen Ressourcen selber organisieren. Deshalb meldet euch möglichst an, damit wir einen Verteiler für weitere Absprachen haben und lasst uns wissen, wenn es Übersetzung oder Unterstützung braucht.

Eine Initiative des Instituts für Queer Theory

bisherige Treffen: 14.01.2020 (19:00-21:30)

vgl. auch > zum Personenstandsgesetz (Juni 2019)

Außerdem wird es am 25. Juni 2020 an der FernUni Hagen eine Fachtagung unter dem Titel „Personenstand: divers – Gleichstellung weiterdenken“ mit Susanne Baer, Adrian de Silva, RyLee Hühne, Noah Rieser, Pasquale V. Rotter, Kirsten Pinkvoss und Antke Engel geben. > Mehr Infos