Queer Zusammenleben

Veranstaltungsreihe 2026 zur Feier von 20 Jahren iQt

Zusammenleben (cohabitation) bedeutet nicht einfach, den Planeten zu teilen; es bedeutet, mit denen zusammenzuleben, die wir uns nicht ausgesucht haben. Zusammenleben bezieht radikale Differenzen ein und beinhaltet unvermeidbare Konflikte ein, die aus den zufälligen und unkontrollierbaren Bedingungen des In-der-Welt-Seins hervorgehen. Zusammenleben beschränkt sich nicht nur auf die Welt der Menschen, sondern umfasst alle Lebewesen, nicht-menschliche Wesen und Geister oder Seelen sowie die natürliche, soziokulturelle und technologische Umgebung (z. B. digitale Welten, Maschinen, Architektur, kulturelles Erbe oder religiöse Stätten, Sprachen und Kunst).

Queer Cohabitations versucht, einzelne Diskussionen zusammenzuführen und neue Sprechweisen zu finden, die sich mit trans- und posthumanen Ökologien, der Prekarität queerer Lebensweisen, rassifiziertem Kapitalismus und zunehmendem Autoritarismus, dem Verlust der (Bio-)Diversität und dem Abbau von Demokratie sowie Forderungen nach Klima- und planetarischer Gerechtigkeit befassen.

Unter dieser Überschrift werfen wir auch methodologische Fragen des Queer- und Trans-Seins, des Queering und Transing auf; und loten die unzähligen Möglichkeiten aus, Konflikte zu entschärfen und Gewalt zu mindern. Queere Communities eröffnen besondere Perspektiven, die das „Werden“ von sexuellen und geschlechtlichen Erfahrungen unterstreichen – verkörpert und situiert, imaginär und virtuell, affektiv und verflochten mit Dynamiken von Macht und Begehren. Wir gehen von einem kontinuierlichen Prozess aus, um den Wandel des „Begehrens” zu verstehen. Entsprechend verändert sich queeres Zusammenleben durch Offenheit für seine Umgebungen. Queer Zusammenleben heißt, marginalisierte, subalterne, überhörte oder vemeintlich unverständlich Stimmen und Ausdrucksweisen wahrzunehmen. Es heißt, daran zu glauben, dass an den Rändern der Geschichte widerständige Macht zu finden ist, und Weisheit in der multispeziesbezogenen Verwandtschaft.

In diesem Sinne beschäftigen wir uns mit Davina Coopers jüngsten Überlegungen zum konzeptuellen Aktivismus (Conceptual Activism), um sozialen Wandel zu imaginieren und durch lokale Praxen vorwegzunehmen. Aus dieser Perspektive möchten wir auch die Beiträge des iQt zu queerer Theorie und Politik neu bewerten.

Gerechtigkeit bleibt der Kern unserer „imaginären Gemeinschaften“, trotz des Aufschwungs neoliberaler Konservativer und autoritärer Rechter, die die Gerechtigkeitsperspektive brutal untergraben. Wir brauchen ein robustes, alle Spezien einbeziehendes, planetares, pan*sexuelles, trans*versales Gerechtigkeitsempfinden – das ist es, was wir als eine Form des konzeptuellen Aktivismus mit der Veranstaltungsreihe Queer Cohabitations erforschen und umsetzen möchten.

Vor diesem Hintergrund organisieren wir anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des iQt eine Reihe von Veranstaltungen, die weltweit Communities miteinander ins Gespräch und vielleicht in ihrer Differenz einander näherbringen – um gemeinsam die Bedeutung und das Werden des trans-queeren Begehrens zu erforschen, künftig in einer Welt ohne Grenzen zu Hause zu sein. Queer Cohabitations soll dazu beitragen, konfliktfreudige Gemeinschaften zu bilden, wo es keine gibt, und dort, wo sie fragmentiert sind, neue Verbindungen zu vielen anderen zu knüpfen. Unter dem Banner von Queer Cohabitations wollen wir „das Unmögliche fordern” – eine Gesellschaftsordnung, in der alle zusammenleben und gedeihen können.

Sagniquee Banerjee, AntkeAntek Engel, Karolina (kasu) Heck, Friederike (Fred) Landau-Donnelly, Rafael Baioni, Samu/elle Striewski

Vormerken! Mo 30. März 2026, ICI Berlin und online: „Conceptual Activism“ – Ein Tag mit Workshops, Panels und queerem Zusammenleben zu konzeptuellem Aktivismus

Weitere Termine folgen in Kürze!