Kein Geschlechtseintrag ab Geburt!

Was wäre, wenn alle Kinder ohne einen staatlich verordneten Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde in die Welt starten würden? Was wäre, wenn alle Kinder Zeit hätten, mit ihren Körpern vertraut zu werden und ein (geschlechtliches?) Selbstverständnis auszubilden? Was wäre, wenn Menschen in der Pubertät oder später selbst entscheiden, ob und wenn ja, mit welchem Geschlechtseintrag sie staatlich registriert werden (und international reisen) wollen?

„Kein Geschlechtseintrag ab Geburt“ ändert nichts daran, dass Eltern, Familie, Kitas, Schulen, Medien und Medizin einen machtvollen Einfluss auf die Geschlechtsentwicklung haben. Aber das Automatische, Schicksalhafte oder angeblich Naturgegebene der Geschlechtsentwicklung wird unterbrochen. Kinder werden als Expert*innen ihrer selbst und als Persönlichkeiten mit mit einem schutzwürdigen und zu umsorgenden Körper ernst genommen. Es ist nicht länger notwendig, dass einzelne Kinder oder Gruppen als „Abweichungen von der Normalität“ markiert werden.

Zum Download (pdf) eine Langversion dieser Initiative, mit der wir ein öffentliches Nachdenken anzetteln und rechtzeitig vor der Evaluation des Selbstbestimmungsgesetzes (SBGG) im Bundestag  einen konkreten Verbesserungsvorschlag einbringen möchten.

Am 19. Juli 2026 (17-19 Uhr, PM58 Berlin-Wedding) gibt es die Möglichkeit, dieses Gedankenexperiment sowie folgende oder weitere Fragen gemeinsam zu diskutieren:

Aufwachsen:

Ist „Kein Geschlechtseintrag ab Geburt“ eine Initiative, die alle Menschen (lebenslang, aber auch bereits als kleine Kinder) in ihrer Persönlichkeits- (und Geschlechts-)Entwicklung stärkt?

Wie können Kinder in diesem Prozess in ihrer Besonderheit und ihrer Unterschiedlichkeit ernst genommen werden (z. B. mit inter*-Körpern, trans*-Wünschen nach Namensänderungen oder körperlichen Modifikationen, mit verschiedenen körperlichen, geistigen, emotionalen Befähigungen und gesundheitlichen Zuständen, mit materiellen, sozialen, kulturellen oder religiösen Hintergründen)?

Ist es eine Initiative, die Eltern- und Kinderrechte gleichermaßen stärkt oder die stattdessen die Übermacht von Erwachsenen, Bildungsinstitutionen und Medien ungebremst walten lässt?

Welche Verantwortung kommt Kitas, Schulen, Jugendarbeit und selbstorganisierten Projekten im Hinblick auf diversitätssensible geschlechtliche und sexuelle Bildung zu?

Gesellschaftliche Öffentlichkeit:

Kann durch die Initiative, wenn sie öffentlich wahrgenommen wird, das verbreitete cis-normative und rigide zweigeschlechtliche Geschlechterverständnis „von unten“ verändert werden, statt es „von oben“ zu verordnen?

Kann durch die Initiative den Rechten der Anspruch auf „Kinderschutz“ aus der Hand genommen werden?

Recht und Antidiskriminierung:

Ist der Begriff „Geschlechtsmündigkeit“ (abgeleitet von Religionsmündigkeit oder sexueller Mündigkeit) gut geeignet, um die Voraussetzungen und den Zeitpunkt der Entscheidung für oder gegen einen Eintrag zu beschreiben?

Kann auf dem Hintergrund der Initiative einegeschlechtsaffirmierende Gesundheitsversorgung sichergestellt werden?

Wird Diskriminierungsschutz aufgegeben, wenn marginalisierte Gruppen z. B. von inter*, trans* und nonbinären Menschen nicht mehr explizit benannt werden?

Perspektivisch:

Sollte aus der Initiative eine Kampagne werden, die eine entsprechende gesetzliche Veränderung (des SBGG) fordert?

Wenn Du Lust hast, die Initiative zu unterstützen bzw. Anregungen hast, kontaktiere uns unter: kgbg-kampagne@proton.me