ver_körperungen


Was, wenn Subjektivität immer KörperSubjektivität ist? … das sich wandelnde, niemals abgeschlossene Ergebnis verkörperter biographischer Erfahrungen, die durch historische und geo-politische Machtbedingungen gerahmt sind. Normative Vorstellungen und Alltagsverstand, alltägliche Gewohnheiten oder ausgeklügelte Disziplinierungen prägen das Körpererleben und bestimmen, welche Körper als gesund und leistungsfähig gelten, als disziplinierbar oder disziplinierungsresistent, als entweder männlich oder weiblich wahrgenommen werden. Oder anders herum: Zweigeschlechtlichkeit, Gesundheit, Weißsein wirken als normative Ideale, deren Macht davon abhängt, dass sie verkörpert und gelebt werden.
Zugleich ist verkörperte Subjektivität auch ein Ausgangspunkt und Austragungsort des Widerstands. Widerstand, der sich aus Unstimmigkeiten zwischen Erwartung und Erfahrung nährt, im Scheitern an Idealen gründet oder als kreativer Eigensinn daherkommt. Genau deshalb, weil soziale Anforderungen an den Körper – gesund zu sein, schön zu sein, diszipliniert zu sein, eine kohärente Geschlechtsidentität auszubilden – derartig komplex und mitunter in sich widersprüchlich sind, können Spielräume entstehen, in denen sich körperliche Widerspenstigkeit entfalten kann. Wie können das Beharrungsvermögen oder der Veränderungsdrang von Körpern zur Ausbildung subkultureller Gegenwelten beitragen?
Die Herausforderung besteht darin, Verkörperungen zum Ausgangspunkt für die Untersuchung heteronormativer, rassistischer, antisemitischer, körpernormierender Dominanzverhältnisse nehmen. Welche alternativen Formen der Verkörperung entstehen aus Queer Crip Theory bzw. aus den Überlappungen zwischen kritischer Enthinderungs-/Befähigungsforschung und Queer Studies sowie dekolonialisierenden Strategien und selbstkritischem Weißsein?

BISHERIGE VERANSTALTUNGEN

Embracing the Ridiculous

10 Jahre Institut für Queer Theory!

Freitag 24. Juni 2016 im Ballhaus Berlin

Kunst-Auktion sowie Beiträge von Nana Adusei-Poku, Anna Daučíková, Naomi Rincón Gallardo, Giegold & Weiß, Judith Jack Halberstam, Werner Hirsch, Renate Lorenz, Mindj Panthers, Nic Kay, Redecker-Sissies, TAKA TAKA from the House of Hopelezz, Konzert von Rhythm King and her Friends und DJ*s SchwarzRund, shushu, Kan Chi

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lil BLK

Nic Kay
Nic Kay (Chicago) präsentiert Auszüge aus der Performance und hält einen performativen Vortrag. 24. Oktober 2015, Berlin-Kreuzberg

lil BLK ist eine experimentelle Soloperformance, beeinflusst von der schwul/queeren New Yorker Ballsaalkultur, Punkkonzerten, Butoh und Lobestanz. Zugleich ist es eine Geschichte über einen fairy boi, ein Gotteskind, ein kleines Schwarzes Mädchen, Performer und Aktivistin. Im Erkunden der theatralen Form spielt sich Nich Kay durch eine Reihe von biografischen Momenten, die mit Begehren ringen, und den Fallen darin, ein*e Schwarze*n Performer*in auf der Suche nach Freiheit auf der Bühne zu sein.

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Das Sexuelle und die Queerness des Triebes

Teresa de Lauretis
Vortrag, Institute for Cultural Inquiry (ICI), Berlin, 2. Juli 2015
desire’s multiplicity and serendipity 8

Teresa de Lauretis erforscht die Frage, ob sich eine „queer figure of the drive“ denken lässt, welche kanonische Begehrensmodelle übersteigt. In ihrer Rekonzeptualisierung des Sexuellen, wie es Laplanche beschrieben hat, stellt sie einen Triebbegriff vor, der in seiner Ambivalenz und Opazität kulturell-normative Binaritäten unterwandert.

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Sex. Sag einfach nein

Leo Bersani
Vortrag, Institute for Cultural Inquiry (ICI), Berlin, 18. Juni 2015
desire’s multiplicity and serendipity 7

Leo Bersani zeigt in seiner Lektüre von Freud, Foucault und D. H. Lawrence auf, wie sich Räume des Intimen denken lassen, die nicht im Zeichen von unterdrücktem oder ausgelebtem sexuellem Begehren stehen, sondern in ihrer Heterotopie Subjektivierungen entgrenzen.

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rassisierte intimität ver_lernen

Workshop und Lesungen
é Rosi ich bin im Park, Berlin, 6. Juni 2015

Wenn wir von rassisierter Intimität sprechen, meinen wir auch Freundschaften sowie politische Kontexte, die von Nähe geprägt sind. Wir halten es für politisch interessant, uns mit solcher Intimität zu befassen; ebenso wie mit Versprechen, Wünschen, Befürchtungen und Ängsten, die mit den Verschränkungen von Rassisierung und Erotisierung einhergehen. Wie fließen Gewaltgeschichten sowie koloniale, rassistische und antisemitische, hetero- und körpernormative, homo- und transphobe Erbschaften in unser Wahrnehmen und Denken ein? Kurze Texte von Audre Lorde inspirieren die Diskussion.

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Die Politik des undenkbaren Begehrens:
Über Liebe, Eifersucht und das Telefon

Jelisaveta Blagojević
Dienstag 28. April 2015, ICI Berlin
desire’s multiplicity and serendipity 5

In multiplen Differenzschleifen kann Eifersucht das westliche Relationskonstrukt der Liebe, welches in der Binarität von Subjekt/Objekt verfangen ist, subversiv irritieren und Aussichten auf Bereiche des Undenkbaren eröffnen, wie die Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin Jelisaveta Blagojević darlegt.

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Perversion und Liebe in der Nachkriegs-Pschoanalyse, oder:
Warum wir Robert Stoller neu lesen sollten

Dagmar Herzog
Mittwoch 11. März 2015, ICI Berlin
desire’s multiplicity and serendipity 4

Die Historikerin Dagmar Herzog zeigt auf, wie sich als konservative Reaktion auf die sexuellen Bewegungen ab den 1960ern die US-amerikanische Psychoanalyse formierte, um eine homophobe Liebes-Doktrin zu proklamieren, die Homosexualität auf neue Weise pathologisierte. Demgegenüber plädierte Stoller für ein Verständnis von Sexualität als per se pervers und bietet in seinen Schriften damit eine Fundgrube für queere Begehrenstheorien.

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Wofür der Sex?

David Halperin
Vortrag Mittwoch 5. November 2014, ICI Berlin
desire’s multiplicity and serendipity 2

In einem anekdotischen Spaziergang quer durch die Epochen von aristotelischen Syllogismen bis zur globalen spätkapitalistischen Sexkultur in Badehäusern sinniert der Historiker David Halperin über das Für, Wider und Warum von Sex.

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